Ende!

Ich bin wieder zu Hause!

Am 5. Juni bin ich in Johannesburg in den Flieger gestiegen und über London und Frankfurt auf dem mir direktest möglichen Weg nach Hamburg gefahren. Jana!

 

Ich könnte noch unglaublich viel über die Dinge erzählen, die ich unterwegs gesehen habe, die ich über mich, die Art zu reisen, gelernt habe. Darüber, wozu ich anderen raten würde, wenn man mich fragt. Aber vielleicht überlasse ich das auch einfach mal den anderen. Mich zu fragen, meine ich.

 

Es war eine echt einmalige und unglaubliche Erfahrung, die ich da machen durfte. Und es war eine Erfahrung, von der ich vermutlich noch lange erzählen kann.

 

Oder um es mit Dirks ziemlich treffenden Worten auszudrücken:
“bleibt nur noch ein zu sagen – coole Aktion, Alter!”

 

In eigener Sache

Zum Abschluss habe ich dann noch eine Bitte an die Leser. Ich habe den Blog für ein paar Leute geschrieben, von denen ich dachte, sie würden bestimmt gerne wissen, wo ich bin und was ich erlebe. Im Laufe der Zeit habe ich von immer mehr Menschen gehört, die mein ganzes Geschreibsel lesen.

Tut Ihr mir einen Gefallen? Es würde mich mal interessieren, wer eigentlich so mitgelesen hat.

Wenn man auf die Überschrift klickt („Ende!“) kommt man auf eine Seite, wo es ganz unten die Möglichkeit gibt, einen Kommentar zu hinterlassen (Unter “Leave a Reply” im Textfeld eintragen und dann auf “Post Comment” klicken).

Ich würde mich freuen, wenn Ihr mir nur Euren (Vor-)Namen (und wenn ich Euch nicht kenne – ein Stichwort, wer ihr seid) hinterlasst.

 

Dankeschön!

Und Dankeschön für das Interesse!

 

Thorsten

 

 

Südafrika zum Zweiten!

Und zum Letzten.

Nachdem ich die Leopardenfrau schweren Herzens im Moremi-Reservat zurücklassen musste, bin ich mit ein paar Zwischenstationen zurück nach Südafrika gefahren. Am 28. Mai ging es über die Grenze. Kurz vorher hatte ich mich noch einmal schön blitzen lassen und mir einen botswanischen Strafzettel abgeholt.

Den konnte ich allerdings nicht direkt bei den Beamten bezahlen, sondern sie meinten, ich solle zur Wache in die Stadt fahren und dort bezahlen. Nachdem ich den beiden glaubwürdig klargemacht hatte, dass ich schon nur mit dreimal Fragen die Straße aus der Stadt hinaus gefunden hatte und so meine Probleme haben würde, jetzt auch noch die Polizeiwache zu finden, hat der eine dann gesagt, am Grenzübergang, den ich nehmen wollte, gäbe es eine Polizeistation und ich könne dort bezahlen. Also bin ich weiter und habe die Grenze gesucht. Auch dabei habe ich mich dann noch ein paar Mal verfahren. Glücklicherweise war ich dabei in so kleinen Dörfern unterwegs, dass wenigstens auch kein Mensch mehr Englisch sprach. Aber es gibt ja noch Hände und Füße. Irgendwie hat man mir dann klargemacht, dass ich an der letzten Kreuzung hätte rechts abbiegen müssen. Nachdem ich die Grenze endlich gefunden hatte, wollte ich wenigstens noch meine Staatsschulden begleichen. Nicht, dass bei meinem nächsten Besuch in ein paar Jahren ein internationaler Haftbefehl auf meinen Namen vorliegt.

Tja – nur blöd, dass es natürlich keinen einzigen Polizisten dort gab. Die Grenzbeamtin hat nur mit den Schultern gezuckt und gegrinst, als ich ihr mein Problem erklärt habe. „Expect them to be waiting for you, when you come next time“ (Rechne damit, dass sie auf Dich warten, wenn Du das nächste Mal kommst)… Also über die Grenze ohne zu bezahlen.

Nachdem ich aus Botswana heraus war, kam wieder ein Stückchen Niemandsland und dann die südafrikanische Grenze. Das Niemandsland war ungefähr so breit wie ein Fluss – also so 10 Meter. Genau die Breite von dem Fluss, durch den ich hindurch musste. Nicht noch mal! Ein wenig angespannt lenkte ich also den Wagen mal wieder ins Wasser. Vorher hatte man mit noch gesagt, ich solle in einem Bogen durch den Fluss fahren. NEIN! – Das kam mir doch irgendwie bekannt vor…

Diesmal hat es dann aber zum Glück ohne weitere Probleme geklappt und ich war wieder in Südafrika – dem letzten Land der ganzen Reise.

 

Zunächst stand ein Besuch im Mapungubwe Nationalpark auf der Liste. Der war so unspektakulär, dass ich ihn hier einfach auslasse. Danach ging es am 30. Mai in den Krugerpark.

Spielende Elefanten

Aus meiner Sicht war das schon fast eine Art Resozialisationstraining. Der größte der südafrikanischen Nationalparks ist Massentourismus. Auf ein oder zwei der Campsites musste ich echt nach einem freien Stellplatz suchen – und es ist noch Nebensaison. Ein paar Mal, wenn es etwas Besonderes zu sehen gab (z.B. die Löwenmama mit ihrem Jungen), standen so viele Autos auf der Straße, dass es einen Verkehrstau gab.

Löwenmama

Allerdings waren diese Gelegenheiten leider eher selten. Der Krugerpark ist auf großen Flächen zumindest so dicht mit Bäumen und Gebüsch bewachsen, dass man die Tiere nur relativ schwer beobachten kann. Selbst Elefanten verschwinden aus dem Blick, sobald sie ein paar Meter von der Straße weg sind.

Aber wenn man eine ganze Woche dort zubringt, bekommt man schon noch ein paar Gelegenheiten für Beobachtungen oder hübsche Fotos.

Affenmama

Und das ich schon so ziemlich alles aus der Tierwelt gesehen hatte und mir auch bei längerem Nachdenken nichts einfiel, was ich unbedingt noch hätte sehen wollen, war ich relativ entspannt und habe einfach über das gefreut, was sich mir bot.

Das waren zum Beispiel, im Gegensatz zu den anderen Parks, ziemlich viele Paviane. An einer Stelle saß ich bestimmt 10 Minuten im Auto und eine Horde der Affen überquerte vor mir die Straße. Immer mehr und mehr. Und jedes Mal, wenn ich dachte, das war es jetzt, kamen noch weitere aus dem Gebüsch. Danach habe ich die ganze Zeit das Kinderlied von den durch den Wald rasenden Affen vor mich hin gesungen.

Pavianhorde

Lausen

 

Außerdem hatte ich bei einigen Tieren, insbesondere allerdings bei den Elefanten, den Eindruck, hier gäbe es eindeutig größere Exemplare, als ich sie bisher zu Gesicht bekommen hatte. Die Elefanten haben sich im Krugerpark sowieso immer ziemlich präsentiert. Ein oder zwei Mal bin ich quasi mitten durch eine Herde gefahren und habe warten müssen, bis sie hinter, vor und neben mir vorbeigelaufen waren. Und ein klein bisschen nervös wird man schon, wenn man daran denkt, dass die Viecher mit den langen Nasen kräftig genug sind, um locker ein Auto umzuwerfen, wenn sie sich bedroht fühlen.

Groß

Relaxen

 

 

Ansonsten habe ich noch gelernt, dass Krokodile anscheinend nicht viel anderes tun, als in der Sonne zu faulenzen, ach Hippos mal klein anfangen und Vögel gerne mal stolzieren oder Taxi fahren.

Faulenzen

Auch Hippos fangen klein an

Stolzieren

Vogeltaxi

 

Am vorletzten Tag hatte ich noch das Glück, Geparden, die ich ja bisher nur in der Aufzuchtstation in Namibia gesehen hatte, in freier Wildbahn zu sehen. Sie waren ziemlich im Unterholz versteckt und selbst, als mir ein andere Autofahrer gezeigt hatte, wo sie sind, brauchte ich noch eine Minute, bis ich sie wirklich gesehen hatte. Ich habe keine Ahnung, wer und wie derjenige es geschafft hat, sie überhaupt zu entdecken.

Geparden in freier Wildbahn

 

Insgesamt war der Krugerpark als Abschluss schon in Ordnung, aber es ist kein Park, wo ich sagen würde, da muss ich noch einmal hin. Und allen, die noch nicht im südlichen Afrika waren, würde ich viel eher zum Kgalagadi-Park oder zu Etosha raten, als zum Krugerpark.

 

Abends im Krugerpark

 

 

Verliebt!

Ja, ich habe mich verliebt. In eine Frau, die ich auf einem Gamedrive kennengelernt habe und die so schön war, dass ich sie fast eine volle Stunde einfach nur angucken musste. Und bevor jetzt jemand meine Freundin anruft, um es ihr zu sagen – Jana weiß es schon.

Aber von Anfang…

Nach dem Mokoro-Trip stand noch ein Ausflug weiter in den Norden des Okavango-Deltas an. In das Moremi Game Reserve, einen Nationalpark im eher westlichen Botswana. Übernachtet habe ich in der Mankwe Bush Lodge auf einem völlig einsamen, nicht eingezäunten Campingplatz, der bei meiner Ankunft übersäht war mit Elefantenspuren. Zum Glück haben sie mich nicht nachts besucht…

Roter Litschi

Am Freitag, den 24.5. holte mich mein Guide zusammen mit seinem Guide-Lehrling um sechs Uhr morgens am Zelt ab (ehrlich gesagt habe ich aus Vorsicht vor den Elefanten im Auto geschlafen). Wieder mal war ich der einzige Teilnehmer, was in diesem Fall richtig von Vorteil war. So musste ich mich nie darüber ärgern, dass jemand anderes vor der Kamera sitzt und Clifford, der Guide, hat mich immer erst gefragt, bevor er weiter gefahren ist.

Geier sind Aasfresser

Bisher – und auch danach – habe ich alle Pirschfahrten selbst unternommen. Aber da ich gelesen hatte, dass die Wildnis im Moremi Reserve teilweise stark überflutet sein kann und man eventuell richtig durch Wasser fahren muss, wollte ich das Risiko nicht eingehen. Und nachdem ich die Erfahrung im Wasser zu versinken ja auch schon gemacht hatte, erschien mir mein Entschluss, eine geführte Tour zu machen doppelt weise. Am Ende gab es zwar kein nennenswertes Wasser, welches wir hätten überqueren müssen, aber es war auch mal sehr angenehm, nicht selber fahren zu müssen, sondern einfach nur gucken zu können.

Nilkrokodil beim Sonnen

Was besonders gut war, da wir insgesamt tatsächlich 15 Stunden unterwegs waren. Und in den 15 Stunden haben wir eigentlich gar nicht so viele Tiere gesehen. Ein relativ seltener Anblick waren die afrikanischen Wildhunde. Die, zu den am meisten gefährdeten Tieren Afrikas zählenden, Hunde sind schlank und vierfarbig gescheckt. Auffällig und auch ein wenig lustig aussehend sind diegroßen, runden Ohren. Sie leben meistens in Gruppen und jagen immer als Pack.

Afrikanischer Wildhund

Auch der Kampfadler, der sich einen Fuß in einem Wasserloch gekühlt hat, ist nicht wirklich häufig und vor allem eindrucksvoll groß.

Kampfadler

 

An einer Stelle fuhren wir an einem Wasserloch entlang in dem einige Nilpferde badeten. Auf einmal bricht ein ziemlich fettes Exemplar rechts von uns aus dem Gebüsch und sprintet mit einem dicken Platsch ins Wasser. Es hatte offensichtlich unter den Büschen gelegen und wurde von uns erschreckt. Und das konnte es natürlich nicht auf sich sitzen lassen. Als wir beobachtend neben dem Wasserloch standen, hat es ein paar Mal versucht, das Auto zu verscheuchen. Es hat geschnaubt, plötzlich den Kopf zu uns herumgerissen und vor allen Dingen seine beeindruckenden Zähne präsentiert

Drohgebärde

Nachdem mit dieses Foto gelungen war, war ich für den Tag schon zufrieden.

 

Abendstimmung im Moremi Wildreservat

Aber als es Abend wurde und wir schon auf dem Rückweg zum Tor waren, habe ich sie gesehen. Sie rannte vor einem Mann weg, direkt vor unserem Auto quer über die Piste, und flüchtete sich auf einen Baum. Der Kerl ist noch hinterher, war aber zu schwer, um ihr bis in das dünne Geäst im Wipfel zu folgen. Nach ein paar Minuten ist er dann abgezogen und ich habe sie das erste Mal richtig gesehen – und war verliebt.

Raubkatze

Vor uns sind zwei Leoparden über den Weg gesprintet und auf den Baum geklettert. Und nachdem das Männchen fort war, hat das Weibchen es sich dort oben gemütlich gemacht. Direkt über unserem Auto. Ich habe noch nie vorher Leoparden gesehen – und falls es doch mal einen im Zoo gab, kann ich mich nicht daran erinnern. Und ich war hin und weg. Mir war vorher nicht klar, wie unglaublich elegant diese Katzen sind. Die schlanken Geparde wirken dagegen anorektisch. Löwen sind einfach nur plump.

Eleganz

Leoparden sind ziemlich selten und vor allem nachts aktiv. Es war also quasi schon Schicksal, dass wir sie gesehen haben. Und sie sind verdammt kräftig. Zur Beute der Raubtiere gehört alles, was sie erlegen können. Um ihren Fang vor Aasfressern und anderen Raubkatzen zu sichern, tragen sie z.B. Antilopen mühelos auf einen Baum, wo sie sie dann fressen.

Katzen beobachten alles

Von der Jagd oder dem Fressen war die neue Dame meines Herzens allerdings weit entfernt. Sie beobachtete die Umgebung, war aber ansonsten ziemlich entspannt und begann dann auch bald damit, sich die Pfoten zu lecken und sich auf dem Baum einzurichten.

Entspannt

Wir standen fast eine Stunde lang unter dem Baum und der Guide Clifford war anscheinend genauso begeistert wie ich. Am Ende waren wir sogar eine dreiviertel Stunde zu spät am Tor und mussten eine wilde Geschichte von einer Bootsfahrt erfinden, bei der der Motor ausgefallen sei, weswegen wir jetzt zu spät seien. Ansonsten hätten wir eine Geldbuße zahlen müssen. Aber mal ehrlich, wer kann diesen Augen wiederstehen?

 

Diese Augen ...

 

Der Tag hatte sich eindeutig gelohnt.

 

 

Im Okavango-Delta

Wann immer ich früher Bilder von Afrika aus dem Okavango-Delta gesehen habe, dachte ich, da will ich hin! Es gab genau zwei Ziele während der ganzen Reise, die auf meiner Da-muss-ich-im-Leben-nochmal-hin-Liste standen. Das eine war Vietnam – und es war wirklich so schön, wie ich immer gedacht hatte. Das andere war das Okavango-Delta. Was soll ich sagen – auch das ist wirklich so schön, wie ich es mir vorgestellt habe.

Am Sonntag, den 19. Mai, kam ich mit meinem gefühlt immer noch nassen Auto im Audi-Camp an. Fragt mich nicht, woher der Name kommt. Er hat auf jeden Fall nichts mit dem Ingolstädter KFZ-Hersteller zu tun. Nach einer Nacht in dem zwar einfachen, aber ganz hübschen Camp, ging es am Morgen des 20. dann gegen halb acht los. Mit mir unterwegs war ein schwedisch/amerikanisches Ehepaar mit ihrem Enkelsohn. Erst mal mussten wir zwei Stunden mit einem Jeep zur Mokoro-Anlegestelle fahren. Denn das war der Trip, den ich gebucht hatte: 2 Nächte und 3 Tage mit dem Mokoro, dem traditionellen Einbaum der lokalen Bevölkerung, durch das Okavango-Delta. Nachdem als erstes mal auf einer nicht gerade stabilen Holzbrücke die Anhängerkupplung abgebrochen war und wir eine Stunde auf ein Ersatzfahrzeug warten mussten, kamen wir mit etwas Verspätung an. Die „Anlegestelle“ war nichts weiter als ein Stück Wiese, auf dem fast ein Dutzend der langen, schmalen Boote lag.

Traditionell werden die Mokoros aus dem Holz eines bestimmten Baumes hergestellt (leider habe ich vergessen, aus welchem). Da sie allerdings aus einem Stück gefertigt werden, muss immer ein ganzer Baum für ein einzelnes Boot gefällt werden. So hält die Regierung die Anwohner des Deltas mittlerweile an, Mokoros aus Fieberglaas zu nutzen. Nicht ganz so traditionell, dafür aber haltbarer und Baumbestand-schonender.

Aus dem Mokoro

Der Einbaum wird, ähnlich wie die Gondeln Venedigs, mit einem langen Stab voran geschoben. Für mich hieß das, ich konnte es mir vorne im Boot gemütlich machen, mich an die gestapelte Ausrüstung hinter mir lehnen und mich von Jacky, meinem persönlichen Guide, durch das Wasser schieben lassen. Eigentlich dachte ich ja, dass ich zumindest die erste Nacht mit den Schweden/Amerikanern verbringen würde (sie hatten nur eine Nacht gebucht). Aber als wir nach anderthalb Stunden durch die Landschaft gleiten an einem Platz zum Campen ankamen, sagte mir Jacky, dass die drei einen eigenen Zeltplatz hätten. So war ich denn drei Tage mit einem Koch, zwei Gondolieren, von denen einer den Koch und der andere nur Ausrüstung transportiert hatte, und Jacky alleine. Vier Leute nur für mein Wohlbefinden…

Okavango Delta

Das Camp, was wir dann errichteten war tatsächlich mal ein Naturerlebnis, wie ich es haben wollte. Irgendwo auf einer Insel wurden die Zelte unter ein paar Bäumen aufgebaut. Hinter dem nächsten Busch grub jemand ein Loch in den Boden – die Toilette. Der Koch baute noch einen Tisch und einen Trinkwasserkanister auf und die beiden Gondoliere entzündeten ein Feuer, welches von da ab eigentlich durchgängig brannte. Denn Irgendetwas war immer zu erhitzen. Ständig kochte z.B. ein großer Topf mit Wasser, damit es warmes Wasser zur Verfügung gab zum Waschen.

Bis auf das Trinkwasser aus dem Kanister, welches eigentlich nur für mich war, wurde alles mit dem Wasser direkt aus dem Okavango gemacht. Wir hatten zwei Schüsseln, in denen wir das Geschirr darin spülten, es gab zwei offene Wassersäcke an Ständern, die als Waschbecken fungierten (natürlich mit warmem Flusswasser), der Kaffee wurde mit Flusswasser gekocht, das Essen ebenso und Jacky und die beiden Gondoliere, die alle aus dem gleichen Dorf nahe der Anlegestelle kamen, tranken auch einfach direkt aus dem Fluss.

Und der war überall. Der Okavango ist einer der wenigen Flüsse der Welt, der von seiner Quelle nicht ins Meer fließt, sondern sich immer weiter auffächert und schließlich in der Kalahari versickert, bevor er einen Ozean erreichen kann. Als Ergebnis ist die Landschaft seines Deltas geprägt vom Wasser. Es gibt Unmengen an Inseln, angefangen mit kleinen, die nur ein paar Meter groß sind, bis zu solchen, über die man stundenlang laufen kann. Das Wasser ist je nach Jahreszeit und Stelle zwischen ein paar Zentimetern und zwei Metern tief. Jetzt, ein paar Monate nach der Regenzeit weiter im Norden, schwillt der Okavango an. Die Gras- und Baumlandschaft, über die wir gelaufen sind, wird in einem Monat komplett überflutet sein. Im afrikanischen Sommer, also im November/Dezember wird hingegen weniger Wasser vorhanden sein, als noch im Moment. Und so wechselt das Bild, dass der Fluss malt, jedes Jahr von trocken zu überflutet, zu trocken, zu überflutet, zu …

Irgendwo im Delta

Der Fluss selber wiederum ist geprägt von Pflanzen. Überall gibt es Wasserpflanzen, Wasserlilien, Bäume, die die Hälfte des Jahren im Wasser und die andere auf dem Trockenen stehen, Schilf, … Und fast alle Pflanzen werden von den Einwohner verwendet.

Wir haben jeden Morgen und Abend eine Tour gemacht. Am zweiten Abend hat Jacky mich schweigend durch den Sonnenuntergang gestakt, ansonsten sind wir über die Inseln gewandert. Dabei hat er mir Unmengen an Dingen erklärt, von denen ich leider die meisten schon wieder vergessen habe. Zum Beispiel eben, wofür welche Pflanzen verwendet werden. Aus welchem Gras sie die Dächer für ihre Lehmhütten machen, aus welchen Bäumen sie die Mokoros fertigen, mit welchen Pflanzen sich traditionell Krankheiten behandeln lassen und mit welchen Blättern man sich als Moskitoschutz einreiben kann. Dazu habe ich ein wenig gelernt die Spuren der Tiere zu erkennen oder dass ich am Dung erkennen kann, ob es sich um einen Wiederkäuer handelt (hier hauptsächlich Büffel).

Überall Wasser

Auch irgendwo im Delta

Es ist eine ganz andere Erfahrung, wenn man die Natur und vor allem die Tierwelt, wie in den Nationalparks, aus dem Auto bestaunt, oder wenn man mitten durch läuft. Erst als ich wirklich direkt neben einem Termitenhügel stand, der deutlich größer war, als ich, wurde mir klar, wie groß die Dinger sind. Und erst als ich zum Ausblick auf einen gestiegen bin, wusste ich, wie stabil sie sind. Das war tatsächlich Afrika, wie ich es erleben wollte.

Afrika

Wir haben an den drei Tagen nicht besonders viele Tiere gesehen, aber es hat gereicht, um mich zu begeistern. Die Zebras sind vor mir hergelaufen und die Giraffen haben mich von hoch oben aus 10 Metern Entfernung komisch angeglotzt.

Giraffen im Delta

Das Zebra ist übrigens das „Nationaltier“ Botswanas. Schön fand ich die Erklärung, die Jacky mir dazu gab. Das Land hatte einen Präsidenten, ein schwarzer Mann, der mit einer weißen Frau verheiratet war. Und um diese Vereinigung von Schwarz und Weiß zu symbolisieren eignet sich das eben so gefärbte Zebra hervorragend.

Botswanas Nationaltier

 

Wie ich eben schon geschrieben habe, sind wir am zweiten Abend mit dem Einbaum durch den Sonnenuntergang gefahren. Ein Erlebnis, dass sich schwer beschreiben lässt. Jacky hat diesmal kaum etwas erklärt und mich einfach schauen lassen. Und ich habe geschaut – und wie. Ich habe ständig den Kopf geschüttelt, weil die Landschaft und das Erlebnis so unglaublich schön waren. Ich saß im Boot, hörte nichts außer dem leisen Plätschern des Wassers und den Vögeln. Ab und an grunzte in der Ferne ein Hippo. Es war so unglaublich … friedlich.

Jacky fährt mich

Das war der Punkt, an dem ich restlos überzeugt war. Ich war so begeistert, dass ich es selber schon fast albern fand. Aber ich kann es nur wiederholen – das Okavango-Delta ist unfassbar schön. Und das Erlebnis, mitten drin zu sein, ohne andere Touristen, ohne Luxus wie Strom oder fließendes Wasser, ohne Zäune oder die Autokabine um sich herum, war schon ein Hammer.

Sonnenuntergang im Okavango Delta

Mokoro im Sonnenuntergang

Als wir am dritten Tag, nach einer weiteren morgendlichen Wanderung und einem Brunch, mittags zurück gefahren sind, haben wir noch ein paar planschende Nilpferde gesehen. Die riesigen Tiere hatten offensichtlich Spaß, sich im Wasser zu wälzen, hin und her zu schwimmen und sich den Okavango aus der Nase zu prusten. Und ich hatte Spaß, ihnen dabei zuzusehen – in einem Einbaum, in nur zehn Metern Entfernung… Es ist tatsächlich etwas ganz anderes, aus dem Auto heraus zu beobachten, oder direkt dabei zu sein.

Badendes Nilpferd

 

Vor ein paar Monaten hat mich ein griechischer Freund, den ich noch aus Stockholm kenne, gefragt, welches der schönste Ort war, den ich bisher gesehen habe. Ohne zu zögern oder groß nachdenken zu müssen, habe ich ihm geantwortet: wenn wir über Städte reden Sydney, wenn wir über Kultur reden Machu Picchu und wenn wir über Natur reden die Anden. Jetzt würde ich die Anden durch das Okavango-Delta ersetzen. Nachdem ich nun im wörtlichen Sinn einmal um die ganze Welt gereist bin, ist das Okavango-Delta mit Abstand der schönste Flecken Erde, den ich gesehen habe!

 

Schon wieder Wasser

Schon wieder Wasser

Der namibische Caprivi-Zipfel bildet quasi die nördliche Grenze von Botswana. Und die Victoriafälle liegen direkt neben der Nord-Ost-Ecke des Landes. Von dort aus führte mich mein Weg dann Richtung Süden, um in Nata nach Westen abzubiegen und über ein paar Zwischenstationen vom Süde aus in das Okavango Delta zu fahren.

Auf dem Weg durch Botswana muss man immer wieder Veterinärzäune passieren. Die Begrenzungen werden im Englischen „Buffalo-Fence“ (Büffelzaun) genannt und dienen in erster Linie dazu, die Ausbreitung der Maul-und-Klauen-Seuche durch die Büffelherden zu verhindern. Das Prozedere an den Posten ist immer gleich: man wird nach dem Führerschein gefragt, muss aussteigen und alle Schuhe auf einen alten Lappen mit antibakterieller Lake pressen und mit dem Auto durch ein Wasserbecken fahren. Und meistens wird auch noch die Kühlbox kontrolliert. Wie schon bei der Einreise ins Land, dürfen keine frischen Fleisch- und Milchprodukte durch die Kontrollen  gebracht werden. Man gewöhnt sich an die Prozedur.

Nur zwei Mal, war sie etwas lustiger. Das eine Mal hält man mich an, Führerschein, aussteigen, Schuhe auf den Lappen. Dann kontrolliert der Beamte meine Kühlbox. Der Wagen hat eine fest installierte Kühlbox, in die man von oben hineingreifen kann. Er macht also den Deckel auf, und schiebt, auf der Suche nach Frischfleisch, den Inhalt hin und her. Nachdem er eine Weile darin herumgewühlt hat, nimmt er den Kopf aus der Box, guckt mich an, und fragt leicht ungläubig „only beer“? (Nur Bier?). Ich hab geantwortet „Ne-in – da ist auch noch Cider drin!“

Das zweite (lustige) Mal begann ähnlich. Anhalten, Führerschein. Dann wollte mich der Polizist schon weiter fahren lassen. Aber ein Kollege von ihm kam an, noch bevor ich den Motor starten konnte, und fragte mich, was ich hinten im Wagen habe. Campingausrüstung. Ja – er wolle das gerne sehen…

Also aussteigen und aufmachen. Er sieht die Kühlbox. Will reingucken. Fragt noch „Kein Fleisch“? Ich sag „ne – nicht mehr“. Dann guckt er noch mal in die Box und dann mich an und fragt mit einem Grinsen „And where is my cold drink“? (Und wo ist mein kalter Drink). Bevor ich weiterfahren konnte, musste ich ernsthaft einen Polizisten mit einer Dose Bier bestechen. Die botswanische Polizei hat ja wohl echt keinerlei Ehrgefühl! Ich meine – der hat sich mit einem DOSENBIER als Bestechungsgeld zufrieden gegeben… Ich konnte mir das Lachen gerade noch verkneifen.

 

Nachdem ich dann durch einige Kontrollen durch war, kam ich in einer Unterkunft in der Nähe des Makgadikgadi-Nationalparks an. Am 18. Mai wollte ich mir den recht kleinen Nationalpark ansehen.

Am Nordost-Tor des Parks angekommen, eröffnete mir der dortige Wachmann, er könne mir leider kein Tagesticket verkaufen. Er dürfe kein Geld annehmen, da er kein Buch habe, um das einzutragen. Aber wenn ich etwa 100 km weiter fahre, gibt es an der Nordwest-Ecke einen weiteren Eingang. Da könnte ich ein Ticket bekommen. Naja – da ich sowieso an die Westseite des Parks wollte, denn dort befindet sich der Fluss, an dem die meisten Tiere zu finden sind, bin ich dann halt zu dem besagten Tor gefahren.

Am Nordwest-Tor des Parks angekommen, eröffnete mir der dortige Wachmann, er könne mir leider kein Tagesticket verkaufen. Er dürfe kein Geld annehmen, da er kein Buch habe, um das einzutragen.

Déjà-Vu nennt man das wohl…

Allerdings sei es kein Problem, wenn ich durch den Park zum Haupttor fahre, dass ca. 70 m weiter südlich liegt. Dort könnte ich ein Ticket bekommen. Naja – da das sowieso die Strecke war, die ich fahren wollte… was soll’s.

Der Makgadikgadi-Park stellte sich allerdings schnell als relativ langweilig heraus. Bis auf die Geier, die ich im „You and me …“ Beitrag vorgestellt habe, gab es nichts Besonderes zu sehen. Dafür gab es besonders viel Sand. Zwei Mal wäre ich fast stecken geblieben und kam nur mit Allrad, Untersetzung und einer ziemlich rabiaten Fahrweise wieder heraus. Die meiste Zeit bin ich mit 60 km/h durch den tiefen, feinen Sand gebrettert und geholpert, um nicht stecken zu bleiben. Das ist für 20 Minuten mal ganz lustig. Aber nach einer Stunde hatte ich langsam keine Lust mehr darauf.

Vom Haupttor aus konnte man auch einen Umweg, außen um den Park herum, nehmen, um wieder zurück zu fahren. War zwar etwas weiter, aber dafür wenigstens Asphalt und kein Treibsand. Nachdem ich also tatsächlich mein Tagesticket erstanden habe, bin ich – glücklicher Ticketbesitzer – direkt mal aus dem Park raus und ca. 100 Meter gefahren.

 

Dann musste ich mit einer Fähre über den Fluss setzen, an dessen Ufer ich zuvor die Geier fotografiert hatte. Die „Fähre“, wie sie genannt wurde, war dann doch eher ein Floß mit Außenbordmotor. Als der Fährmann am gegenüberliegenden Ufer mich sah, ließ er seinen Zweitjob als Hüter einer Rinderherde kurz liegen und kam herüber getuckert.

Die Fähre

Da das Wasser zu seicht war, konnte er nicht bis ganz ans Ufer kommen und bedeutete mir mit Handzeichen, durch das Wasser zu ihm zu fahren. Dabei legte er noch Wert darauf, dass ich einen Bogen fahren sollte. Vermutlich Steine im Wasser oder so etwas.

Also fahre ich schon leicht angespannt in dem mir bedeuteten Bogen auf das Floß zu. Plötzlich macht der Fährmann ein ziemlich blödes Gesicht und sagt „Oh – there is a hole“ (Oh, da ist ein Loch). JA, das hab ich auch gemerkt. Schließlich ist gerade mein rechter Vorderreifen abgesagt und die Karre hängt schräg bis zum Scheinwerfer im Wasser! Rückwärtsgang!

Keine Chance. Der Boden ist viel zu schlammig und von den vier Reifen haben sowieso nur noch zwei überhaupt Bodenkontakt. Versucht der Fährmann als erstes mal, mein Auto vorne hochzuheben… Der Typ war noch dünner als ich. Der hätte vermutlich schon Probleme gehabt, MICH hochzuheben, geschweige denn mich und das Auto, in dem ich sitze. Tja – ein Satz mit X, das war wohl nix.

Dann stand er da etwas bedröppelt und wusste auch nicht weiter. Unterdessen sickerte langsam das Wasser durch die Tür.

Dann eine Idee: er würde Hilfe holen. Jemanden, der ihm hilft, den Wagen hochzustemmen. Nur – wen?? Da war weit und breit niemand! Mittlerweile hatte das Wasser die Pedale erreicht.

Am gegenüberliegenden Ufer tauchten zwei Jeeps auf, die übersetzen wollten. Von denen würde er jemanden fragen. Die sollten helfen und retten. Ich konnte es kaum glauben… Da sitze ich in meiner gemieteten Karre mitten in einem Fluss und hab meine Beine bis zu den Knien im Wasser. Wohlgemerkt – im Wasser IN MEINEM AUTO! Und der verantwortliche Fährmann schippert mit einem Höllentempo von gefühlten 5 Metern pro Minute ans andere Ufer, um Supermann zu holen, der mein Auto hochhebt.

Zum Glück waren die Jeepfahrer nicht ganz so naiv und kamen auf die Idee, mich mit ihrem Auto rückwärts rauszuziehen, statt mit Muskelschmalz meinen Wagen anzuheben. Es dauerte ungefähr eine Viertelstunde, dann war der erste Jeep auf meiner Seite. Der hat dann übrigens auch den direkten Weg von der Fähre zum Ufer genommen und nicht den mir zuvor angezeigten Bogen. Da war dann auch kein Loch im Boden…

Während der Jeep-Mann anscheinend hinten an meinem Wagen das Seil befestigte, tuckerte der Fährmann wieder rüber und holte den anderen Jeep. Irgendwann war es dann so weit. Das Seil war verknotet und ich sollte gleichzeitig rückwärts fahren, während ich gezogen werden.

Der Jeep fährt an, mein Auto bewegt ich ein paar Zentimeter. Peng! Seil gerissen. Zweiter Versuch.

Der Jeep fährt an, mein Auto bewegt ich ein paar Zentimeter. Peng! Seil gerissen.

Dann fiel dem Jeep-Mann ein, dass er ja noch ein dickeres Seil hat. Mittlerweile war der gesamte Fußraum auf der Fahrerseite voll Wasser und ich bekam einen nassen Hosenboden…

Nach weiteren 5 Minuten war das dicke Seil angebracht. Und tatsächlich – ich wurde aus meiner nassen Lage befreit. Ich kam mir vor, wie in einem dämlichen Film, als ich die Tür öffnete und ein riesen Schwall Wasser AUS meinem Auto schoss.

Aber ich musste ja immer noch über den blöden Fluss… Dieses Mal bin ich allerdings auf direktem Weg auf das Floß gefahren – ohne Löcher. Nur saß das Floß jetzt fest. Ich denk noch „das kann jetzt nicht Dein Ernst sein…“ Ein Stückchen vorfahren auf dem Floß, dann wird es hinten leichter. Hilft nicht. Noch ein Stück vor. Tatsächlich – wir tuckern über den Fluss. Wieder ein Stück zurück – zum Anlegen. Zum Glück ist das Ufer an dieser Seite steiler, so dass das Floß bis ganz an den Rand kann.

Puuh – ich habe es geschafft. Ich stehe auf der anderen Seite und der Motor läuft auch noch. Na wenigstens musste ich für die Überfahrt so nichts bezahlen. Ganz umsonst bin ich über den Fluss gekommen. Wahnsinn!

 

Mit seiner langjährigen Erfahrung hatte der Fährmann übrigens schnell erkannt, woran es lag, dass mein Auto fast ertrunken wäre: es ist ein Nissan!

Na dann …

 

 

Wasser!

Und zwar Unmengen von Wasser. 1,1 Millionen Liter. Pro Sekunde!

Aber erst musste ich einmal hinkommen, zu dem ganzen Wasser. Und dazu war wieder ein Grenzübergang nötig. Diesmal von Botswana nach Zimbabwe. Ohne Stinkefrau, aber nicht ohne eine kleine Geschichte.

Am 14. Mai bin ich von Kasane, dem Ort der Stinkefrau, nach Zimbabwe gefahren. Eine recht kurze Strecke von insgesamt nur 100 km stand auf dem Programm. Nach etwa einem Fünftel dieser Strecke kam ich an die Grenze. Den Ausreiseformalitäten aus Botswana sah ich entspannt entgegen. Ich hatte genügend Pula, die lokale Währung, und war demnach bestens gerüstet. Natürlich wollte dieses Mal niemand Geld von mir haben. Logisch – ich hatte ja diesmal daran gedacht. Zumindest nicht bei der Ausreise aus Botswana…

Dann kam die Einreise nach Zimbabwe. Irgendwer hatte mich schon gewarnt (ich glaube es war der Nazi-Opa, den ich auf dem Campingplatz in der Chobe Safari Lodge getroffen hatte), dass ich den Grenzbeamten sagen soll, ich sei eine Woche dort und nicht nur die geplanten zwei Tage. Denn wenn ich länger bleibe, als das Visum ausgestellt ist, gibt es Ärger. Nun – Ärger, z.B. aufgrund eines Motorschadens am Wagen oder so etwas, wollte ich natürlich vermeiden. Bisher waren die Visa zwar sowieso immer für mindestens vier Wochen ausgestellt worden, aber wer weiß schon, wie es in Zimbabwe so läuft. Tja – Glück gehabt. Das Visum wurde dann auch tatsächlich exakt für die angegebene Woche ausgestellt. Und ich musste es bezahlen.

In Pula? Nein! Dieses Mal dann doch lieber in US-Dollar! Na die hatte ich ja auch noch. Also Visum bezahlt. Dann an den nächsten Schalter – zum Zoll. Da quatscht mich auf einmal so ein Typ von der Seite an und hält mir irgendeinen Bogen unter die Nase. Den müsse ich auch ausfüllen. Nur sah der Typ nicht gerade wie ein Zollbeamter aus. Aber ich war es schon gewohnt, dass komisch gekleidete Menschen an offiziellen Stellen rumhängen und sich aufdrängen. Vermutlich wollte er mir helfen und dann Trinkgeld haben oder so. Und? Hatte ich es nicht gesagt? Ja – er wollte mir helfen und ja – er wollte Geld. Allerdings kein Trinkgeld. Er war ein Versicherungsfuzzi und wenn ich das richtig kapiert habe, muss jeder Leihwagen in Zimbabwe versichert werden. Nein – keine Haftpflicht oder so etwas.

Aber es ist ja nun relativ wahrscheinlich, dass man die Karre im Land zu Schrott fährt. Einen Totalschaden verursacht. Den Wagen jenseits jeglicher Reparaturmöglichkeit bringt. Dann gilt das Auto als „in Zimbabwe konsumiert“. Und da man nach so einem Totalschaden üblicherweise versucht, ohne die, durch den Autokonsum fällig gewordene, Importsteuer zu zahlen, aus dem Land zu verschwinden, muss dieser Fall natürlich versichert werden. Für 50 US Dollar für die eine Woche. Dafür zahlt dann die Versicherung die Dollars, die eigentlich der Steuerflüchtling blechen müsste.

Zusammen mit dem Visum und ein paar weiteren Gebühren war ich so etwas über 100 Dollar los, bevor ich das Grenzhäuschen verlassen und in meinem – nun vollumfänglich versicherten – Wagen die 15 Meter bis zum Schlagbaum fahren durfte. Dort musste ich dann sämtliche Quittungen für die eben getätigten Zahlungen wieder hervorkramen und dem Schlagbaum-Beamten geben. Der kontrollierte dann, ob ich auch wirklich alles ordentlich bezahlt habe.

Ich hab den Mann auch erst gar nicht verstanden, weil sein Englisch nicht gerade deutlich war. Nachdem er die eine Hälfte der Quittungen behalten und mir die andere wieder zurück gegeben hatte, stellte er mir noch eine Frage, die ich ebenfalls erst mal nicht verstanden habe. Da er allerdings nicht locker lies, schien es wichtig zu sein. Nach ein paar Anläufen hab ich es dann auch kapiert. Er fragte „and what did you bring for me?“ – Und was hast Du mir mitgebracht?

Netterweise hat er mir direkt im Anschluss erklärt, die Währung sei ihm dabei egal. „Namibia Dollar, Pula, US-Dollar, Euro, Rand“ – er nehme alles…

Also hab ich noch den Schlagbaum-Mann mit 5 Dollar bestochen und dann durfte ich endlich nach Zimbabwe.

 

Mein Ziel waren selbstverständlich die kurz hinter der Grenze liegenden Victoriafälle. Hier stürzt der Zambezi-River auf über 1.700 Metern Breite in die Tiefe. Im afrikanischen Sommer – um den November – sind es viele schmalere Bänder aus Wasser, die in die Schlucht fallen, von deren gegenüberliegender Seite aus man das Unesco Weltnaturerbe bewundern kann. Jetzt allerdings – im afrikanischen Winter – donnern die vollen 1,1 Millionen Liter Wasser pro Sekunde über den Rand. 107 Meter tief fallen die Wassermassen, bevor sie so viel Gischt produzieren, dass man bei Windstille selbst den oberen Rand kaum erkennen kann. Ein unablässiges Donnern und Rauschen dröhnt in den Ohren. Wenn Wind aufkommt, kann es sein, dass man urplötzlich im Regen steht. Der Regenmantel, den ich mir am Eingang ausgeliehen hatte, war auf jeden Fall notwendig.

Victoriafälle I

Victoriafälle II

 

Morgens, als ich ankam, war es noch relativ windstill und ich habe tatsächlich nur ziemlich wenig erkennen können. Aber da ich ja jede Menge Zeit hatte, bin ich am Ende sieben Stunden in dem Park geblieben, für den man sonst bei jedem Eintritt wieder 30 Dollar zahlen müsste. Und am späten Mittag stand dann die Sonne hinter mir und ich musste nicht mehr ins Gegenlicht schauen. Dazu kam ein wenig Wind auf, der die Gischtschwaden immer wieder beiseite wehte. Und dann sind die, zu den größten Wasserfällen der Welt zählenden, Victoriafälle wahrhaft beeindruckend. Auf riesiger Breite fällt das Wasser. Ab und an unterbrochen von ein paar Inseln.

Victoriafälle III

Victoriafälle IV

Wenn man dem Fluss zusieht, hat man das Gefühl, dass er mit wahnsinnig hoher Geschwindigkeit auf den Abgrund zuschießt, nur um dann im Zeitlupentempo nach unten zu fallen. Es ist … beruhigend, einfach nur da zu stehen und dem Wasser auf seinem Weg hinab hinterher zu blicken. Und es ist groß, wenn man den Blick hebt und sieht, dass es auf hunderten von Metern rechts und links genauso aussieht.

Victoriafälle V

 

 

Botswana!

Am Ende des namibischen Zipfels ging es dann am 12. Mai hinüber nach Botswana. Nachdem ich mir in der letzten Lodge noch habe erklären lassen, dass ich in der letzten Stadt vor der Grenze eben nicht die Grenzformalitäten erledigen muss (wie es fälschlicherweise meine Reisebüro-Tante behauptet hatte), sondern dies nur der Fall bei der Einreise ist, bin ich direkt durchgefahren, bis zum Grenzposten. Als ich gerade anhielt, um die Ausreiseformalitäten zu erledigen, kam eine Frau auf mich zu, die ich ab ungefähr 3 Minuten, nachdem sie mich angesprochen hatte, nur noch

 

Die Stinkefrau

genannt habe. Die etwa Mitte Dreißig Jahre alte Stinkefrau suchte eine Mitfahrgelegenheit bis nach Kasane, dem Ort, zu dem auch ich musste. Da sie alleine war (häufig kommen dann auf einmal noch fünf andere Leute von irgendwo her, die auch mit wollen, habe ich gemeint, klar, sie könne mitfahren.

Die besagten drei Minuten später saß sie in meinem Auto und ich habe eine Weile ernsthaft überlegt, sie wieder raus zu schmeißen. Gott, stank die Frau. Übelst! Ich habe es natürlich nicht über mich gebracht, über sie hinweg nach der Beifahrertür zu greifen, sie zu öffnen und die Stinkefrau kommentarlos aus dem fahrenden Auto zu schieben. Stattdessen habe ich mein Fenster aufgemacht und mich die ganze Fahrt gefragt, ob sie sich nicht wundert, dass ich als Fahrer die ganze Zeit zum Seitenfenster hinaus sehe. Als sie mir erzählte, sie sei in der Tourismusbranche, dachte ich nur, na hoffentlich duscht sie wenigstens, wenn sie Kundenkontakt hat. Sonst wird die Lodge, in der sie arbeitet vermutlich bald pleitegehen…

 

Zusammen mit der Stinkefrau kam ich nach den Ausreiseformalitäten noch zur Schranke, hinter der dann ein Stück Niemandsland begann, bevor botswanischer Boden unter meine Räder kommen sollte. Dort fragte mich dann der Wachmann nach meiner Genehmigung für den Grenzübergang. Ich habe ihn nur ziemlich verständnislos angeschaut und er versuchte mir dann zu erläutern, dass ich eine Genehmigung brauchte, um das Auto über die Grenze zu bekommen. Und zwar nicht die, die mir mein Autovermieter ausgestellt hatte – nein. Sondern die, die ich für 70 Namibianische Dollar (ca.6 EUR) an der Total-Tankstelle im letzten Ort vor der Grenze hätte kaufen müssen. Etwa vor 70 Kilometern! Ich habe mich einfach nur so lange weiter blöd gestellt und getan, als verstünde ich ihn nicht, bis er mich leicht genervt einfach so durchgelassen hat.

Nach dem Streifen Niemandsland kam dann die Veterinärkontrolle. In Botswana dürfen keine frischen Tier- und Milchprodukte eingeführt werden. Eine rundliche Mama-Frau schaute erst in meine Kühlbox und meinte, die H-Milch gehe in Ordnung. Aber die Salami musste ich entsorgen. Dann mussten noch alle Schuhe auf einen uralten Lappen gepresst werden, der anscheinend mit einer antibakteriellen Lake getränkt war oder so etwas. So, wie der aussah, hab ich mir da allerdings eher Bakterien unter die Schuhe gerieben, statt sie zu entfernen.

Bevor ich dann mit dem Wagen auch noch durch ein Wasserbad fahren musste, wünschte die Mama-Frau mir noch einen schönen Tag und  erinnerte mich „und rufen Sie ihre Mutter an“… Heute war Muttertag und wenn mich die rundliche Mama-Veterinärkontrolleurin an einem recht einsamen Grenzübergang nicht daran erinnert hätte, hätte ich es wohl vergessen.

Dann die Einreiseformalitäten nach Botswana. Soweit problemlos, nur das Visum musste bezahlt werden. Aber da mir jeder und jeder Reiseführer gesagt hatte, in Botswana kann man sogar besser mit US-Dollar bezahlen, als mit der lokalen Währung, hatte ich genügend dabei.

Tja – ich nehme an, der Spannungsbogen war nicht so besonders geschickt aufgebaut und man hat es schon geahnt – nix US-Dollar. Namibische Dollar wären OK. Von denen hat allerdings jeder und jeder Reiseführer gesagt, damit könne man nun überhaupt nicht bezahlen. Also hatte ich die alle aufgebraucht. Jetzt stand ich da an der Grenze und lies mir erklären, ich müsse dann zurück durchs Niemandsland und an der namibischen Grenze könne ich die US-Dollar dann in botswanische Pula wechseln… Na super!

Aber ich hatte ja noch die Stinkefrau bei mir. Die hat mir dann die nötigen 200 Pula (ca. 19 EUR) geliehen und ich kam endlich nach

Botswana!

Nur mit äußerster Willensanstrengung (nicht anzuhalten und um Luft ringend ins Freie zu stürzen) kamen die Stinkefrau und ich nach etwa einer Stunde dann in Kasane an. Nachdem ich sie abgesetzt hatte, habe ich erst mal Stundenlang den Wagen gelüftet…

Nach einer Nacht in der Chobe Safari Lodge bin ich dann am Montag, den 13.5., in den Chobe-Nationalpark gefahren. Und ich war begeistert!

Im Gegensatz zu den Parks in Namibia, hatte man auf einmal das Gefühl, wirklich durch die Natur zu fahren. Das äußerte sich zum einen durch ziemlich tiefen Sand, in dem ich definitiv ohne 4×4-Antrieb mehrfach stecken geblieben wäre und zum anderen durch die Möglichkeit direkt am Ufer des Chobe-Flusses entlang zu fahren; ohne Straße oder auch nur einen Schotterweg. Sondern wirklich einen Meter neben dem Wasser einfach über das Flussufer. Ab und an kamen auch mal Passagen, in denen man ein wenig durch das Wasser musste.

Kaffernbüffel

Hier habe ich auch das erste Mal die großen Kaffernbüffel gesehen. Die Paarhufer mit den mächtigen Hörnern und der dicken Stirn grasten und badeten in einer riesigen Herde von bestimmt 100 Tieren. Ein paar Minuten später musste ich kurz weg vom Ufer und bin mitten durch die Herde gefahren.

Büffelherde

Rechts, links, vor und hinter mir – überall grasten, dösten, schliefen oder sonnten sich die Viecher. Manche sprangen erschrocken zur Seite, wenn sie das Auto bemerkten, andere hatte damit überhaupt kein Problem und ich musste warten, bis sie sich aus dem Weg bequemten.

Die Drei von ...

Badender Büffel

 

Nachdem ich schon richtig begeistert war, fuhr ich etwas später wieder zum Ufer – und trat auf die Bremse. Auf einer kleinen Schilfinsel ein paar Meter entfernt lag ein ziemlich großes Nilkrokodil und ließ sich geduldig das Wasser durch das offene Maul laufen, in der Hoffnung, ein Fisch würde ebenfalls den Weg zwischen seine gefährlich aussehenden Kiefer finden. In der Zeit, in der ich es beobachtet habe, hatte es allerdings kein Glück.

Nilkrokodil

Etwas weiter begegnete mir dann einer seiner Verwandten – der Nilwaran. Die bis zu zwei Meter langen Echsen bewegen sich oft sehr gemächlich vorwärts, können aber bei Bedarf auch richtig flink werden. Ihr Gang sieht ein wenig aus, als wären einer Schlange Beine gewachsen. Der ganze Körper und der lange Schwanz bewegen sich beim Laufen hin und her, wie der Körper einer Schlange.

Nilwaran I

Nilwaran II

 

Mittlerweile habe ich schon ziemlich viele Elefanten gesehen. Aber die grauen Riesen schaffen es immer wieder, mich zu faszinieren. So habe ich bestimmt eine Viertelstunde diesem einen Bullen zugeschaut, wie er da im Chobe stand und das Gras in sich hinein gestopft hat. Naja – die bis zu 500 Kg Grünfutter am Tag, die so ein ausgewachsener Dickhäuter vertilgt, müssen ja auch irgendwie zustande kommen.

Elefantenbulle im Chobe River

 

Natürlich gab es auch noch eine ganze Menge andere Tiere. Große Herden von Antilopen, Zebras, Gnus, Giraffen, usw. grasten die Büsche und den Boden der Landschaft ab. Immer wieder tauchten auf einmal Elefanten hinter Büschen auf. Hippos badeten ihre empfindliche Haut im kühlen Fluss und Mistkäfer rollten wie bekloppt Elefantendung ziellos hin und her.

Hippos im Chobe River

 

Erwähnenswert fand ich auch noch meine Begegnung mit den afrikanischen Fischadlern – auch Schreiseeadler genannt. An einer Stelle am Fluss waren gleich vier der Tiere versammelt und ab und an verdeutlichten sie mal, wie sie zu ihrem Namen kommen. Ein Gekeife ohnegleichen!

Ich hatte gerade die Kamera auf zwei der Raubvögel gerichtet, als einer auf einmal seine Schwingen spreizte und dicht über dem Wasser dahin schoss. Und ich hatte das Glück, genau im richtigen Moment den Auslöser zu drücken.

Afrikanischer Fischadler in Aktion

Kurz danach hatte ich (wie ja bekanntermaßen schon öfter) wieder die Kamera im richtigen Moment in der Hand…

Zwei Fischadler in Aktion

 

Ich war mehr als zufrieden für den Tag! Aber etwas hat mich dann doch noch beeindruckt. In diesem Fall war es mal nicht die Fauna, sondern die Flora. Der Baobab – der Affenbrotbaum – ist ein echter Gigant. Die riesigen Bäume werden bis zu über 20 m hoch. Im hohen Alter von 2.000 – 3.000 Jahren kann der Stamm bis zu 30 m Umfang erreichen. Ich bin immer wieder fasziniert, egal, wie viele der Bäume ich schon gesehen habe.

Im Schatten des Baobab

Um sich zu verdeutlichen, wie groß der Baum auf dem Bild ist, sollte man sich noch mal klar machen, dass das Elefanten sind, die da in seinem Schatten stehen. Tiere, die über drei Meter groß werden und bis zu sechs Tonnen wiegen können. Auf dem Foto sind sieben Tiere. Aber es passen locker mehr als ein Dutzend unter das Geäst des Baums.

Man merkt – ich bin immer noch beeindruckt.

 

You and me, Baby …

You and me, Baby ...

are nothing ...

but mammals ...

(or vultures...)

(or pigeons ...)

(or penguins ...)

(or more vultures ...)

(or butterflies ...)

(or eagles ...)

(or still pigeons ...)

(or even more vultures ...)

so let's do it ...

like they do ...

on the discovery channel!

 

Namibias Zipfel

Nach der Höhlenexpedition ging es Richtung Nordosten in den Caprivi-Zipfel. Der die meiste Zeit nur 50 km breite Streifen (maximal 150 km) führt von der äußersten Nord-Ost-Ecke des Landes zwischen Angola im Norden und Botswana im Süden nach Osten, bis zum Vierländereck mit Zambia, Zimbabwe und Botswana.

Der ältere, südafrikanische und nicht mehr ganz so latente Rassist, den ich schon mal erwähnt habe, hat mir erzählt, die Deutschen haben den Caprivi-Streifen irgendwann mit den vereinigten Königreichen gegen Sansibar getauscht, da sie eine Verbindung vom Atlantik zum indischen Ozean wollten. Leider habe ich gerade, während ich das schreibe, keine Internetverbindung, um das zu verifizieren. Und meine Geschichtskenntnisse reichen da zugegebenermaßen ebenfalls nicht aus.

Auf jeden Fall zeigt sich Namibia im Caprivi-Streifen von einer ganz anderen Seite. Durch die verschiedenen Flüsse, die hindurch fließen – unter anderem der Okavango – ist die sonst so staubtrockene Landschaft auf einmal geprägt von Bäumen und Grün. Besonders an den Flussufern wachsen das Schilf, das Gras, und die vielen Wasserpflanzen in ungewohnter Vielfalt. Durch das viele verfügbare Wasser ist die ganze Region auch viel dichter besiedelt, als der Rest des Landes. Auf einmal stehen ständig Menschen an der Straße und wollen mitgenommen werden. Ein Dorf aus traditionellen, Lehmhütten mit Grasdächern reiht sich an das nächste. Immer wieder laufen Kühe oder Schafe auf die Straße und Kinder winken mir während ich vorbei fahre. Afrika ist doch nicht so einsam!

Sonnenaufgang über dem Okavango

Ein oder zwei Mal kreuzte auch ein Elefant die Straße vor mir. Nach den letzten vier Wochen, in denen ich meistens nur Steine und Sand in verschiedenen Farben gesehen habe und die einzigen Menschen eigentlich die Mitarbeiter und Besucher der Unterkünfte waren, war es richtig angenehm, mal wieder „Leben“ zu sehen.

Und wie ich es schon am Mekong in Vietnam gesehen habe, wurde auch hier der Fluss vollständig in das normale Leben integriert. Man wäscht sich im Fluss, man spült sein Geschirr darin, man tränkt das Vieh und man fährt Touristen darüber, um ihnen die Landschaft zu zeigen. Ich habe auch eine solche Tour an einem Abend mit gemacht. Außer Landschaft und einem badenden und einem trinkenden Elefanten gab es zwar nichts zu sehen, aber die Landschaft war schön! Irgendwie trocknet man in einer so ariden Gegend wie Namibia auch geistig etwas aus. Und es ist eine Wohltat, wenn man auf einmal so viel Wasser um sich hat.

Wasserlilie

 

 

Die Wildkatze und die Höhle

Samstags ging es dann weiter über den Waterberg bis zur Gästefarm Ghaub – die letzten beiden Stationen bevor ich in den Caprivi-Zipfel fuhr.

Der Waterberg war landschaftlich schön – denke ich…

Aber nach mehr als acht Monaten Reise war ich nicht mehr so richtig in der Lage, dass zu honorieren. Ein Tag von zweien mit Magenproblemen hat das auch nicht erleichtert. Um nicht vor Langeweile auf dem völlig einsamen Campingplatz zu sterben, bin ich am zweiten Tag vor Ort dann etwa 150 km um den Berg herum gefahren, um ein Cheetah Conservatory zu besuchen; eine Geparden-Aufzucht. Die schnellsten Läufer der Welt sind mittlerweile eine ziemlich bedrohte Rasse. Da die lokalen Farmer um ihr Vieh fürchten, wenn sie eine der relativ kleinen Raubkatzen sehen, wird zuerst geschossen und dann gedacht. Wobei es zum großen Teil nicht um fehlendes Nachdenken geht, sondern leider um fehlendes Wissen. Z.B. das Wissen, dass Geparden nur in den seltensten Fällen für das Reißen von Nutzvieh wie Ziegen verantwortlich sind.

Gepardendamen

Eine der Aufgaben, der sich die Non-Profit Organisation stellt, ist die richtigen Informationen zu verbreiten und Projekte, wie z.B. den Schutz der Herden durch die Vermittlung von Wachhunden, statt durch einfache Hütehunde, zu gewährleisten. Die andere Aufgabe ist, die verwaisten Jungen aufzunehmen und großzuziehen, die immer wieder gefunden werden, wenn doch wieder eine Mutter erschossen wurde.

Fütterung

Die Geparden haben mittlerweile das Problem, dass die genetische Vielfalt zu knapp wird und die Jungen oft entsprechende Mutationen in ihrem Erbgut haben. Oder für die nicht-Biochemiker ausgedrückt: es gibt nur noch so wenig Geparden, dass es viel zu Oft zu Inzest kommt, mit den entsprechenden Missbildungen.

Man kann die in der Aufzucht aufgewachsenen Jungen aber leider auch nicht mehr auswildern, da ihnen keiner beibringen kann, wie sie in der Wildnis überleben würden. Im Zweifel würden sie z.B. versuchen einen Elefanten zu reißen – es hat ihnen ja nie jemand gezeigt, welches die richtigen Beutetiere sind. So werden diese Tiere hier nur groß gezogen und helfen dann als „Botschafter“ bei der Information und dem Ziel, die Situation dieser eleganten Wildkatzen zu retten.

So gibt es einige Katzen, die wörtlich mit der Flasche aufgezogen wurden und zutraulich genug sind, um sich z.B. von Besuchern streicheln zu lassen. Mir blieb dieses Vergnügen allerdings vorenthalten.

Entspannung

Für mich war es auf jeden Fall ein netter Besuch und eine gute Art, den Tag nicht mit mieser Laune alleine auf dem Campingplatz zu verbringen

Aufmerksam

 

Nach dem Waterberg ging es dann zur Gästefarm Ghaub. Unterwegs habe ich noch den Hoba-Meteoriten besucht. Der fette, zu über 80% aus Eisen bestehende, Brocken misst ungefähr drei mal drei Meter und ist fast einen Meter dick. Als die 50 Tonnen vor ungefähr 80.000 Jahren in die Weiten Namibias eingeschlagen sind, wird es vermutlich einen ziemlichen Rumms gegeben haben.

In direkter Nachbarschaft des außerirdischen Klumpens liegt die Gästefarm auf einem richtig schönen Stück Land. Highlight des Besuchs ist allerdings die Tropfsteinhöhle auf dem Gelände.

Am nächsten Tag – es war der 8. Mai – bin ich mit Andreas, einem Guide, in die Höhle runter. Nachdem ich ja nun in Vietnam schon eine riesige Höhle gesehen hatte, habe ich meine Erwartungen hier absichtlich eher niedrig gelassen. So wurde ich dann auch deutlich positiv überrascht.

Zu meinem Glück war die Ghaub-Höhle nämlich das komplette Gegenteil des Paradise-Cave in Zentralvietnam. Ghaub war kleiner, eng, niedrig. Wir sind gekrochen, geklettert, haben uns durch Spalten gezwängt und sind Lehmhügel auf dem Hosenboden runtergerutscht. Die ganze Höhle geht richtig in die Tiefe – leider habe ich vergessen, wie weit. Aber auf jeden Fall weit genug, dass die Temperatur merklich ansteigt und die Luft deutlich weniger Sauerstoff enthält. An der tiefsten Stelle, an der wir dann durch einen Tunnel voll Grundwasser unbestimmter Länge hätten tauchen müssen (bisher hat das noch niemand getan), war die Luft so dünn, dass eine Kerze dort nicht mehr brennen kann.

Batmans Sohn

Ich habe Andreas ganz schön n Anspruch genommen. An allen möglichen Stellen fragte er mich, ob er zu schnell sei. Oder ob ich diesen Hügel auch noch hoch klettern wolle oder ähnliches. Ich habe ihn eigentlich immer nur schräg angeguckt und gemeint, was das denn jetzt für eine Frage sei – er sei eher zu langsam und natürlich will ich da auch noch hoch!

Am Ende wurde aus den geplanten ca. drei Stunden eine Tour von gut viereinhalb Stunden. Völlig versaut kam ich aus der Höhle wieder raus. Alles war voll mit Matsch und Lehm. Wieder bei der Farm fragte ich die zwei Frauen, die vorher schon meine andere Wäsche zum Reinigen angenommen hatten, ob sie die Sachen, die ich anhabe auch noch reinigen könnten. Ich würde nur schnell duschen und sie ihnen dann bringen.

Als ich mich umdrehe und Richtung Dusche gehe, höre ich doch, wie die eine hinter mir zu ihrer Kollegin meint „but he looks so nice, muddy….“ – etwa „aber er sieht so nett aus, so versaut“…

Höhlenexpedition